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20.4. 2022 Trauer bei Hunden – auf die Beziehung kommt es an!

Lange vermutet, erstmals belegt: auch Hunde scheinen bei Verlust eines Artgenossen so etwas wie Trauer zu empfinden. Darauf deuten Verhaltensveränderungen nach dem Tod eines hündischen Mitbewohners hin, so die Studie, welche unter Mitbeteiligung der HundeUni Bern entstand. Frei verfügbar unter https://www.nature.com/articles/s41598-022-05669-y.
Beispielsweise reduzierten die Hunde nach dem Tod ihres Artgenossen die Futteraufnahme, spielten weniger oder zeigten sich im Alltag ängstlicher. Dies war umso ausgeprägter, wenn zwischen den beiden Hunden eine Verwandtschaft oder ein freundschaftliches Verhältnis bestanden hatte. Der Einfluss der Beziehung zwischen den Hunden auf das Verhalten des Überlebenden ist ein entscheidender Hinweis darauf, dass beobachtete Verhaltensveränderungen nicht ausschließlich auf das veränderte Verhalten der Besitzer oder veränderte Routinen zurückgeführt werden können. Es legt nahe, dass die überlebenden Hunde tatsächlich selbst betroffen waren, jedoch vor allem dann, wenn sie mit dem Verstorbenen eng verbunden waren. Anders als erwartet, machte es jedoch keinen Unterschied ob die Hunde ihren verstorbenen Mitbewohner sehen konnten oder nicht.

19.1.2022

Wer ist verantwortlich? Nehmen Hunde lieber mit ihrer Bezugsperson oder mit einer fremden Person Blickkontakt auf, wenn sie an eine unerreichbare Belohnung kommen wollen? Und wen fordern sie eher zum Spielen auf?   

Teil 1 der Zusammenfassung unserer neuesten Studie.
Wer kennt es nicht: wenn ein Hund sich mit einem Problem konfrontiert sieht, das er nicht alleine lösen kann, folgt irgendwann unweigerlich der Blick zum Menschen. Wölfe zeigen viel weniger Tendenz, Blickkontakt aufzunehmen, und Dingos liegen zwischen Haushunden und Wölfen. Jedoch wurde die Bedeutung dieser Blicke in der wissenschaftlichen Literatur kontrovers diskutiert: als Hilfesuchen oder aber, weil der Hund aufgegeben hat. So zeigte sich beispielsweise: je beharrlicher ein Tier (Hund/Wolf) versuchte, das Problem zu lösen, desto weniger nahm es Blickkontakt auf.
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In unserer neuesten Studie konnten wir die konträren Erklärungsmöglichkeiten erstmals kontrolliert testen. Wir führten einen „unsolvable Task“ (unlösbare Problemaufgabe) durch, in welcher eine Belohnung (Futter oder Spielzeug) in einer Box eingeschlossen wurde, welche die Hunde nicht öffnen konnten. Doch gleichzeitig hatten die Hunde die jeweils ANDERE Belohnungsart (d.h. Spielzeug oder Futter) zur freien Verfügung.
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Alle Hunde wurden einmal mit dem Futter in der Box und dem verfügbaren Futter getestet und einmal mit dem Spielzeug in der Box, während das Spielzeug zur Verfügung stand. Wie lange die Hunde in die Gesichter der anwesenden Personen (Besitzerin und eine unbekannte weibliche Testperson) schauten, wurde ausgewertet.
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Die Ergebnisse zeigten: solange eine Alternative zur Verfügung stand, war die Dauer der Interaktion mit der Box, in der sich die Belohnung befand positiv korreliert mit der Dauer des Blickkontakts mit einem Menschen. Das bedeutet: beide Verhaltensweisen dienten offenbar dem Erlangen der unerreichbaren Belohnung, wenn diese für den Hund wichtiger war als die erreichbare Belohnung. Das Anschauen des Menschen kann somit als soziale Kommunikation und Hilfesuchen interpretiert werden.
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Wichtig ist hierbei, dass wir durch den Versuchsaufbau für die individuell unterschiedliche Motivation der Hunde, die Futter- oder Spielzeugbelohnung zu erlangen, kontrollieren konnten.
Sobald alles Futter konsumiert war, zeigte sich hingegen eine negative Korrelation zwischen der Interaktion mit der Box und die Blickdauer. D.h., je beharrlicher ein Hund versuchte, die unterreichbare Belohnung zu erlangen, desto weniger blickte er zum Menschen, wie es frühere Studien auch gezeigt haben. Die resultierenden Blicke können somit neben der Hilfesuche auch darauf hindeuten, dass der Hund aufgegeben hat oder die Aufmerksamkeit des Menschen aus anderen Gründen erzielen möchte (Blicke in Bezug auf das verfügbare Spielzeug wurden übrigens gesondert ausgewertet).
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Fazit: Zweifellos blicken Hunde Menschen an, um zu kommunizieren, dass sie Hilfe benötigen. Doch nicht alle Blicke dienen dem Hilfesuchen. Weitere Evidenz, dass Hunde differenzieren, welche Person ihnen eher helfen wird, beschreiben wir morgen in Teil 2.

5.10.2020


Geräuschangst ist das häufigste ‚Angstproblem‘ bei Haushunden. Trotz einer Vielzahl an Büchern und Filmen zum Ausdrucksverhalten von Hunden fehlt es weitgehend an wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema.
Ziel dieser Studie war die objektive Beobachtung von Angstverhalten bei Hunden, die Feuerwerken ausgesetzt sind. Dazu wurde das Verhalten von geräuschängstlichen Hunden in der Silvesternacht mit dem Verhalten der selben Hunde an einem anderen Abend verglichen (die Videos wurden uns von Freiwilligen für diese ‚Citizen Science‘ Studie zur Verfügung gestellt).
Ohrenstellung – nach hinten gedreht aber nicht unbedingt angelegt
Den stärksten Unterschied im Ausdrucksverhalten zwischen den beiden Situationen verzeichneten wir bei der Ohrenposition. Die Ohren waren als Reaktion auf die Feuerwerke signifikant weiter nach hinten gerichtet als in der Kontrollnacht – doch nicht zwingend angelegt. So konnten wir bei Hunden mit Stehohren beobachten, dass diese aufmerksam waren und die Ohren daher aufgestellt hatten. Achtete man jedoch auf die Ohrbasis, fiel auf, dass die Ohren dabei nach hinten gedreht waren.
Individuelle Unterschiede beachten
Deutlich wurde auch, dass verschiedene Hunde unterschiedliche Verhaltensweisen als Reaktion auf die Feuerwerke zeigten. Während manche Hunde Körperkontakt suchten und hechelten, rannten andere umher und bellten, wieder andere versteckten sich und blinzelten dabei auffallend häufig. Es reicht für Rückschlüsse über die wahrscheinlich empfundene Emotion daher nicht aus, sich auf ein oder zwei Indikatoren zu beschränken, sondern es sollte immer das Gesamtbild betrachtet werden.
Stresssignale ja oder nein?
Besonders interessant: die sogenannten „Stresssignale“ über die Lefzen Lecken und Gähnen wurden während der Feuerwerke nicht häufiger gezeigt als in der Kontrollsituation. Die Hinweise häufen sich, dass diese soziale Signale darstellen, jedoch nicht zwingemd Rückschlüsse über Stress (v.a. in nichtsozialen Zusammenhängen) zulassen.
PS: Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen HundehalterInnen, welche Videos ihrer Hunde für diese Studie eingereicht haben
Die Studie ist frei verfügbar unter www.nature.com/articles/s41598-020-72841-7

12.12.2019

Gesichtsausdrücke von Vorfreude und Frustration bei Hunden
Durch jahrzehntelange Forschung wissen wir, dass beim Menschen insbesondere die Mimik für das Zeigen und Erkennen von Emotionen wichtig ist. Die Hundeforschung ist zu diesem Thema bislang noch sehr lückenhaft. Neue Erkenntnisse bringt eine Studie unserer Doktorandin Annika Bremhorst (frei zugänglich im Fachjournal „Scientific Reports“ www.nature.com/articles/s41598-019-55714-6). Darin haben wir untersucht, wie Hunde positive Erwartung und Frustration im Gesicht ausdrücken. Insbesondere Frustration beim Hund erkennen zu können ist wichtig, da diese Emotion eine häufige Ursache von Problemverhalten ist.
In dem Experiment wurden die teilnehmenden Hunde darauf trainiert, sich einem Testapparat anzunähern, um dort eine begehrte Futterbelohnung zu erwarten. Während die Hunde 5 Sekunden lang auf ihr Futter warten, wurden ihre Gesichtsausdrücke durch eine Plexiglasscheibe gefilmt. Diese öffnete sich nach 5 Sekunden und gab den Weg auf die Belohnung frei („positive“ Kondition).

In einzelnen „negativen“ Testdurchgängen wurde die Futterbelohnung zwar ebenfalls nach 5 Sekunden in den Apparat gelegt, jedoch öffnete sich die Plexiglasscheibe nicht. Die Hunde konnten die Futterbelohnung nur sehen, kamen aber nicht an sie heran, was Frustration hervorrufen sollte. Wir untersuchten die Mimik der Hunde bei mehreren „positiven“ und „negativen“ Durchgängen mittels DogFACS (www.dogfacs.com), einer objektiven Methode zur Messung von Hundemimik.

Die Ergebnisse: In den „positiven“ Durchgängen stellten die Hunde ihre Ohren mehr auf, während sie diese in den „negativen“ Durchgängen anlegten. Bei den „negativen“ Durchgängen öffneten die Hunde zudem öfter ihr Maul, blinzelten und leckten sich mit der Zunge über die Nase. Dies ist die erste Studie, die subtile mimische Unterschiede bei Hunden im Zustand positiver Erwartung und Frustration zeigen konnte.

26.6.2019

Thema Feuerwerksangst – rund jeder zweite Hund ist betroffen! 

Doch welche sind die effektivsten Maßnahmen zur Prävention und Behandlung?  Unsere ersten Studienergebnisse zu diesem Thema wurden kürzlich veröffentlicht.
Marie Nitzschner von HUNDEPROFIL – Hund und Wissenschaft hat die Ergebnisse toll zusammengefasst: Link

9.11.2018

Wie reagieren Hunde, wenn sie überraschend eine weniger beliebte Belohnung erhalten als erwartet, und wie hängt dies mit Trainierbarkeit und Persönlichkeitsmerkmalen zusammen? Damit befasst sich unsere neueste Studie (durchgeführt an der Uni Lincoln). Die Publikation ist im Journal „Scientific Reports“ veröffentlicht und frei zugänglich: https://www.nature.com/articles/s41598-018-35056%20-5

In dieser Studie konnten sich die Hunde an vier Futterstellen Futter aus sogenannten „Activity Boards“ erarbeiten. Während einer der beiden Test-Sessions wurde die Futterqualität plötzlich reduziert. In vergleichbaren Versuchen bei anderen Tierarten wird oft beobachtet, dass die Tiere in Folge weniger Futter aufnehmen, Übersprungsverhalten zeigen oder die Futterstelle meiden. Zudem machen sie bei weiteren Durchgängen im Vergleich zu einer Gruppe von Tieren, die von Anfang an mit dem minderwertigeren Futter belohnt werden, weniger motiviert mit. Diese „übertriebene“ Reaktion auf die unerwartete Veränderung der Belohnung wird als Ausdruck von Frustration aufgrund der enttäuschten hohen Erwartung interpretiert, in der Fachsprache „Successive Negative Contrast Effect“ genannt.

Hunde haben sich in einigen Studien vergleichsweise wenig sensibel gegenüber einer Verminderung der Belohnungsqualität gezeigt – zwar arbeiten auch sie härter für bessere Belohnungen, sie zeigen aber nur in seltenen Fällen einen „Successive Negative Contrast Effect“. In der aktuellen Studie wechselten die Hunde nach der Reduktion der Futterqualität signifikant häufiger zwischen den vier Futterstellen als in der Kontroll-Kondition, in der das weniger hochwertige Futter von Anfang an verfügbar war und somit der Erwartung entsprach. Dieses veränderte Verhalten nach der Reduktion der Belohnungsqualität entspricht zwar einem „Successive Negative Contrast Effect“, sonst wurden aber keine auf Frustration hindeutende Verhaltensweisen (z.B. langsamer loslaufen oder weniger fressen) beobachtet. Da die Fähigkeit, mit Frustration umzugehen, im Zusammenleben mit uns Menschen von Vorteil ist, kann es durchaus sein, dass Hunde im Laufe der Domestikation auf eine verbesserte Frustrationstoleranz selektiert wurden.

Interessant ist jedoch der Zusammenhang mit Trainierbarkeit: Alle Besitzer füllten auch den C-BARQ, einen validierten Fragebogen zu Hundepersönlichkeit, über ihren Hund aus. Die Analysen ergaben, dass Hunde, die sensibler auf die Veränderung in der Belohnungsqualität reagierten, von den Besitzern als besser trainierbar eingestuft wurden. Dies könnte durch eine generell höhere Flexibilität im Verhalten erklärt werden. Allerdings wiesen die „Schnellmerker“ auch höhere Werte bei Aggressionsverhalten gegenüber fremden Menschen auf.

Ziehen Hunde Variation in Futterbelohnungen oder eine immer gleiche Belohnung vor?

6.7.2018

Abwechslung erfreut – auch was Futterbelohnungen bei Hunden betrifft. Zumindest längerfristig gesehen ist es empfehlenswert, zwischen Belohnungen zu variieren. Darauf deutet unsere neue Studie hin (frei zugänglich unter https://www.nature.com/articles/s41598-018-28079-5). Wir „fragten“ die vierbeinigen Probanden, ob sie Variation bei Futterbelohnungen bevorzugen oder lieber immer ihre Lieblingsbelohnung erhalten. In 60 Versuchen konnten die Hunde zwischen den beien Optionen wählen.

Die Ergebnisse: insgesamt entschieden sich gleich viele Hunde signifikant für die variable und die konstante Belohnungsvariante. Jedoch hatte die Anzahl der bereits durchgeführten Versuche einen signifikanten Einfluss auf das Wahlverhalten der Hunde: je mehr Versuche sie bereits absolviert hatten, desto häufiger wählten sie die variable Option. Dies kann damit erklärt werden, dass auch bei sehr hochwertigem Futter eine Gewöhnung eintritt und dieses mit der Zeit an Wertigkeit verliert. Auch wenn viele Hunde anfangs ihre Lieblingsbelohnung bevorzugen, lohnt es sich also in Hinsicht auf den längerfristigen Erhalt der Motivation, auch einmal abzuwechseln.

Fragebogen – Verhalten von Hunden bei Feuerwerken

14.7.2018

Wir haben mehr als 1200 Hundehalter weltweit zum Verhalten ihrer Hunde während Feuerwerken sowie Management- und Trainingsstrategien befragt. Die Fragebögen werden momentan noch vollständig ausgewertet, aber einige Ergebnisse können wir schon präsentieren:
Mit je rund 70% Erfolgsrate waren Gegenkonditionierung (das Paaren von lauten Geräuschen mit etwas Positivem, meist Futter) sowie Entspannungstraining die effektivsten Trainingsmethoden und effektiver als die Verwendung von Geräusch-CDs (54 % Erfolg). Durch Füttern oder Spielen mit dem Hund zu Silvester konnte zudem das Fortschreiten der Angst besser verhindert werden als durch alle anderen angewendeten Management-Methoden.

Ein Thundershirt wurde von 44% der Personen, die es verwendet hatten, als hilfreich eingeschätzt. Weniger erfolgsversprechend waren Pheromonprodukte, Homöopathie, Bachblüten, ätherische Öle und pflanzliche Produkte. Für alle diese Produkte betrug die angegebene Erfolgsrate rund 30%. Da alle Ergebnisse auf der subjektiven Einschätzung der Besitzer beruhen, können Placebo-Effekte natürlich nicht ausgeschlossen werden.

Angstlösende Medikamente wurden von rund 70% als effektiv eingeschätzt. Die Effektivität einzelner Medikamente muss noch gesondert ausgewertet werden. Die Studie zeigte, dass sich die Mühe lohnt und gezieltes Training sehr effektiv zu einer Verminderung der Angst beitragen kann.
Weitere Infos gibt es in englischer Sprache auf einem Poster, welches wir am diesjährigen Canine Science Forum vorgestellt haben http://www.hundeunibern.ch/…/2…/07/Poster_Fireworks_SEND.pdf

Wie können wir Hunde mit Futter am besten motivieren?

24.6.2018

In dieser kürzlich publizierten Studie zeigte sich: Qualität > Quantität 
https://www.appliedanimalbehaviour.com/article/S0168-1591(18)30244-2/abstract
Wenig überraschend strengten sich die Hunde mehr an, wenn die Belohnung Würstchen war als Trockenfutter. Zudem rannten Hunde für Trockenfutter sogar schneller, wenn sie vorher für dieselbe Aufgabe Würstchen bekommen hatten als wenn die Belohnung immer nur Trockenfutter war. Doch es machte keinen Unterschied, ob am Ende 1 Stück Trockenfutter oder 5 Stücke als Belohnung warteten. Die Motivation konnte durch die grössere Futtermenge nicht erhöht werden – obwohl die Hunde diese bevorzugten, wenn sich gleichzeitig für die kleine oder die grosse Menge entscheiden können. Anhand dieser und anderer Studien gibt es bisher keinen Hinweis darauf, dass die häufig verwendeten Mengen-„Jackpots“ die Lerngeschwindigkeit oder die Motivation wirklich erhöhen.