9.11.2018

Wie reagieren Hunde, wenn sie überraschend eine weniger beliebte Belohnung erhalten als erwartet, und wie hängt dies mit Trainierbarkeit und Persönlichkeitsmerkmalen zusammen? Damit befasst sich unsere neueste Studie (durchgeführt an der Uni Lincoln). Die Publikation ist im Journal „Scientific Reports“ veröffentlicht und frei zugänglich: https://www.nature.com/articles/s41598-018-35056%20-5

In dieser Studie konnten sich die Hunde an vier Futterstellen Futter aus sogenannten „Activity Boards“ erarbeiten. Während einer der beiden Test-Sessions wurde die Futterqualität plötzlich reduziert. In vergleichbaren Versuchen bei anderen Tierarten wird oft beobachtet, dass die Tiere in Folge weniger Futter aufnehmen, Übersprungsverhalten zeigen oder die Futterstelle meiden. Zudem machen sie bei weiteren Durchgängen im Vergleich zu einer Gruppe von Tieren, die von Anfang an mit dem minderwertigeren Futter belohnt werden, weniger motiviert mit. Diese „übertriebene“ Reaktion auf die unerwartete Veränderung der Belohnung wird als Ausdruck von Frustration aufgrund der enttäuschten hohen Erwartung interpretiert, in der Fachsprache „Successive Negative Contrast Effect“ genannt.

Hunde haben sich in einigen Studien vergleichsweise wenig sensibel gegenüber einer Verminderung der Belohnungsqualität gezeigt – zwar arbeiten auch sie härter für bessere Belohnungen, sie zeigen aber nur in seltenen Fällen einen „Successive Negative Contrast Effect“. In der aktuellen Studie wechselten die Hunde nach der Reduktion der Futterqualität signifikant häufiger zwischen den vier Futterstellen als in der Kontroll-Kondition, in der das weniger hochwertige Futter von Anfang an verfügbar war und somit der Erwartung entsprach. Dieses veränderte Verhalten nach der Reduktion der Belohnungsqualität entspricht zwar einem „Successive Negative Contrast Effect“, sonst wurden aber keine auf Frustration hindeutende Verhaltensweisen (z.B. langsamer loslaufen oder weniger fressen) beobachtet. Da die Fähigkeit, mit Frustration umzugehen, im Zusammenleben mit uns Menschen von Vorteil ist, kann es durchaus sein, dass Hunde im Laufe der Domestikation auf eine verbesserte Frustrationstoleranz selektiert wurden.

Interessant ist jedoch der Zusammenhang mit Trainierbarkeit: Alle Besitzer füllten auch den C-BARQ, einen validierten Fragebogen zu Hundepersönlichkeit, über ihren Hund aus. Die Analysen ergaben, dass Hunde, die sensibler auf die Veränderung in der Belohnungsqualität reagierten, von den Besitzern als besser trainierbar eingestuft wurden. Dies könnte durch eine generell höhere Flexibilität im Verhalten erklärt werden. Allerdings wiesen die „Schnellmerker“ auch höhere Werte bei Aggressionsverhalten gegenüber fremden Menschen auf.

Ziehen Hunde Variation in Futterbelohnungen oder eine immer gleiche Belohnung vor?

6.7.2018

Abwechslung erfreut – auch was Futterbelohnungen bei Hunden betrifft. Zumindest längerfristig gesehen ist es empfehlenswert, zwischen Belohnungen zu variieren. Darauf deutet unsere neue Studie hin (frei zugänglich unter https://www.nature.com/articles/s41598-018-28079-5). Wir „fragten“ die vierbeinigen Probanden, ob sie Variation bei Futterbelohnungen bevorzugen oder lieber immer ihre Lieblingsbelohnung erhalten. In 60 Versuchen konnten die Hunde zwischen den beien Optionen wählen.

Die Ergebnisse: insgesamt entschieden sich gleich viele Hunde signifikant für die variable und die konstante Belohnungsvariante. Jedoch hatte die Anzahl der bereits durchgeführten Versuche einen signifikanten Einfluss auf das Wahlverhalten der Hunde: je mehr Versuche sie bereits absolviert hatten, desto häufiger wählten sie die variable Option. Dies kann damit erklärt werden, dass auch bei sehr hochwertigem Futter eine Gewöhnung eintritt und dieses mit der Zeit an Wertigkeit verliert. Auch wenn viele Hunde anfangs ihre Lieblingsbelohnung bevorzugen, lohnt es sich also in Hinsicht auf den längerfristigen Erhalt der Motivation, auch einmal abzuwechseln.

Fragebogen – Verhalten von Hunden bei Feuerwerken

14.7.2018

Wir haben mehr als 1200 Hundehalter weltweit zum Verhalten ihrer Hunde während Feuerwerken sowie Management- und Trainingsstrategien befragt. Die Fragebögen werden momentan noch vollständig ausgewertet, aber einige Ergebnisse können wir schon präsentieren:
Mit je rund 70% Erfolgsrate waren Gegenkonditionierung (das Paaren von lauten Geräuschen mit etwas Positivem, meist Futter) sowie Entspannungstraining die effektivsten Trainingsmethoden und effektiver als die Verwendung von Geräusch-CDs (54 % Erfolg). Durch Füttern oder Spielen mit dem Hund zu Silvester konnte zudem das Fortschreiten der Angst besser verhindert werden als durch alle anderen angewendeten Management-Methoden.

Ein Thundershirt wurde von 44% der Personen, die es verwendet hatten, als hilfreich eingeschätzt. Weniger erfolgsversprechend waren Pheromonprodukte, Homöopathie, Bachblüten, ätherische Öle und pflanzliche Produkte. Für alle diese Produkte betrug die angegebene Erfolgsrate rund 30%. Da alle Ergebnisse auf der subjektiven Einschätzung der Besitzer beruhen, können Placebo-Effekte natürlich nicht ausgeschlossen werden.

Angstlösende Medikamente wurden von rund 70% als effektiv eingeschätzt. Die Effektivität einzelner Medikamente muss noch gesondert ausgewertet werden. Die Studie zeigte, dass sich die Mühe lohnt und gezieltes Training sehr effektiv zu einer Verminderung der Angst beitragen kann.
Weitere Infos gibt es in englischer Sprache auf einem Poster, welches wir am diesjährigen Canine Science Forum vorgestellt haben http://www.hundeunibern.ch/…/2…/07/Poster_Fireworks_SEND.pdf

Wie können wir Hunde mit Futter am besten motivieren?

24.6.2018

In dieser kürzlich publizierten Studie zeigte sich: Qualität > Quantität 
https://www.appliedanimalbehaviour.com/article/S0168-1591(18)30244-2/abstract
Wenig überraschend strengten sich die Hunde mehr an, wenn die Belohnung Würstchen war als Trockenfutter. Zudem rannten Hunde für Trockenfutter sogar schneller, wenn sie vorher für dieselbe Aufgabe Würstchen bekommen hatten als wenn die Belohnung immer nur Trockenfutter war. Doch es machte keinen Unterschied, ob am Ende 1 Stück Trockenfutter oder 5 Stücke als Belohnung warteten. Die Motivation konnte durch die grössere Futtermenge nicht erhöht werden – obwohl die Hunde diese bevorzugten, wenn sich gleichzeitig für die kleine oder die grosse Menge entscheiden können. Anhand dieser und anderer Studien gibt es bisher keinen Hinweis darauf, dass die häufig verwendeten Mengen-„Jackpots“ die Lerngeschwindigkeit oder die Motivation wirklich erhöhen.